Compiègne
| Dieser Artikel behandelt die französische Stadt Compiègne; für den gleichnamigen Salonwagen siehe Wagen von Compiègne.
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Compiègne [kɔ̃ˈpjɛɲ] ist eine nordfranzösische Stadt. Es ist die Unterpräfektur des gleichnamigen Arrondissements im Département Oise in der Region Picardie.
Der Ort liegt 80 km nördlich von Paris, am Fluss Oise, direkt an der Einmündung seines linken Nebenflusses Aisne.
Schloss Compiègne, Parkseite
Schon die Merowinger errichteten in Compiègne eine Pfalz mit dem Namen Compendium.
Chlothar II. musste 603 nach Niederlagen gegen Theudebert II. und seinen Bruder Theuderich II., dem Frieden von Compiègne zustimmen. Der Sohn von Chlothar II., Chilperich II. (670–721), wählte die Pfalz zur Residenz. Karl der Kahle erweiterte die Stadt 876 und nannte sie Carolopolis. Im Jahre 833 wurde Ludwig der Fromme hier seines Throns entsetzt.[1] Die karolingischen Könige Ludwig II., der Stammler (846–879), sowie Ludwig V., der Faule (966–987) sind in der Kirche Saint-Corneille beerdigt.
1380 ließ König Karl V. eine Festung erbauen. Am 23. Mai 1430 fiel die Jungfrau von Orléans vor den Mauern von Compiègne den Burgundern in die Hände und wurde den Engländern überliefert.
Im Vertrag von Compiègne verständigten sich Frankreich und Schweden über ihre Interessen, den Dreißigjährigen Krieg in Deutschland betreffend.
Zwischen 1751 und 1788 erbaute zunächst Ange-Jacques Gabriel, später sein Schüler Louis Le Dreux de la Châtre für König Ludwig XV. ein neues Schloss im Stil des Klassizismus. Napoléon Bonaparte ließ das Schloss renovieren.
Kaiser Napoléon III. nutzte das Schloss häufig als Herbstresidenz. 1870 wurde es nach dem Ende des Kaiserreichs in ein Museum umgewandelt.
Morgens um 6 Uhr am 17. März 1917 wurde das deutsche Marine-Luftschiff L 39 über der Innenstadt brennend abgeschossen. Die 17 Mann Besatzung starben dabei. In Compiègne befand sich ein großes Lazarett und von April 1917 bis März 1918 das Hauptquartier der Alliierten (Entente).
Compiègne ist bekannt durch die Unterzeichnung zweier Waffenstillstände zwischen Deutschland und Frankreich (Waffenstillstand von Compiègne):
Später wurde unter den Nationalsozialisten in Compiègne ein Transit- und Internierungslager in Royallieu eingerichtet (von Juni 1941 bis August 1944). Politisch umstritten war damals die Kollaboration des Vichyregimes mit der Besatzungsmacht. Der erste Zug mit politischen Häftlingen verließ Royallieu am 6. Juli 1942 in Richtung Auschwitz (Vernichtungslager).
Napoléon III. ließ an Stelle des Karmelitinnenklosters in der Nähe des Schlosses ab 1866 von Auguste-Gabriel Ancelet ein Theater erbauen. Mit dem Ende des Kaiserreichs 1870 wurden die Arbeiten aber eingestellt, bevor das Theater eröffnet werden konnte. Seit 1987 wurde das Theater nach und nach renoviert und konnte 1991 schließlich eröffnet werden. Das Theater ist Sitz des Théâtre Français de la Musique, das vor allem durch Aufführungen selten gespielter französischer Opern und Operetten ein internationales Publikum anzieht.
Louis Le Dreux de la Châtre, Schüler und späterer Mitarbeiter von Ange-Jacques Gabriel erbaute dieses neoklassizistische Schloss zwischen 1751 und 1788. Es kann als Museum besichtigt werden. Das Schloss ist von einem großen Landschaftspark umgeben.
Kaiser Napoléon wohnte hier und empfing seine künftige Frau am 23. März 1810 in Frankreich. Der Palast wurde von den Architekten Berthault, Percier und Fontaine, dem Maler Girodet und den Dekorateuren Dubois und Redouté renoviert und neu ausgestattet.
Compiègne wurde später zur bevorzugten Residenz von Napoléon III. Auch er nutzte das große Jagdrevier.
Die Kirche Saint-Jacques war ursprünglich eine von zwei Pfarrkirchen der Stadt. Der Bau aus dem 12. Jahrhundert weist in seinem Figurenschmuck viele Bezüge zu seinem Namenspatron, dem Apostel Jakobus, und zur Pilgertradition des Jakobsweges nach Santiago de Compostela auf. Der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert wurde im 17. Jahrhundert aufgestockt, in seinem oberen Bereich wurden die Statuen von 14 Heiligen angebracht. Die Rolle als königliche Kirche in direkter Nachbarschaft zum Schloss verursachte einen umfangreichen Umbau im 18. Jahrhundert und eine verschwenderische Ausstattung. Seit 1998 ist die Kirche als Teil des Weltkulturerbe der UNESCO „Jakobsweg in Frankreich“ ausgezeichnet.
[Bearbeiten] Lichtung bei Rethondes
- Forêt de Compiègne: Im Nordosten der Stadt liegt der 140 km² große Wald von Compiègne.
Etwa 6 km östlich von Compiègne liegt in der Nähe der kleinen Gemeinde Rethondes auf halbem Weg nach Trosly-Breuil wenige Meter nördlich der N 31 in einer Biegung der Aisne eine Lichtung, auf der die Waffenstillstandsunterzeichnungen 1918 vor Marschall Foch und 1940 vor Hitler erfolgten. Sie werden im Französischen Armistice de Rethondes genannt .
Auf dieser Lichtung steht neben einem Denkmal von Marschall Foch und einem Denkmal zur deutschen Niederlage unter die Entente von 1918 (einem den dt. Adler zerschlagenden Schwert)) ein Nachbau des Salonwagens (frz. Wagon de l'Armistice), in dem die beiden Verträge zum jeweiligen Waffenstillstand unterzeichnet wurden (49° 25′ 38″ N, 2° 54′ 23″ O49.42736111112.90641944444).
- Université de Technologie de Compiègne (UTC) – Technische Universität
- École Supérieure de Commerce de Compiègne (ESC Compiègne) – Wirtschaftshochschule
- École des Soins Infirmiers de Compiègne (ESI Compiègne) – Pflegeschule
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
In Compiègne startet seit 1977 alljährlich der Radklassiker Paris–Roubaix.
- ↑ Meyers Konversations-Lexikon, 1888
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