Glasgow
George Square und City Chambers
Templeton's Carpet Factory
Ehemaliger Bahnhof St. Enoch
Klimadiagramm von Glasgow
Science Centre am River Clyde
Glasgow [ˈglɑːzgəʊ], [ˈglæzgəʊ] (Scots: Glesga, Schottisch-Gälisch: Glaschu, amtlich City of Glasgow ) ist mit 580.690 Einwohnern die größte Stadt Schottlands und die drittgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs.[1] Die Stadt bildet eine der 32 Unitary Authoritys in Schottland und liegt im Südwesten des Landes am Fluss Clyde. Das Stadtzentrum liegt bei ca. 55° 52′ N, 4° 16′ W55.87-4.27Koordinaten: 55° 52′ N, 4° 16′ W.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte Glasgow mehr als eine Million Einwohner. In der Greater Glasgow Urban Area leben 1.750.500 Einwohner.[1]
Glasgow gilt im Gegensatz zur schottischen Hauptstadt Edinburgh als „Arbeiterstadt“. Es besitzt eine Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert sowie vier Universitäten (Universität Glasgow, Universität Strathclyde, Glasgow Caledonian University und die University of the West of Scotland) sowie die Glasgow School of Art und die Royal Scottish Academy of Music and Drama.
[Bearbeiten] Geschichte und Stadtgründung
Seit Jahrtausenden haben Menschen an der Stelle des heutigen Glasgow gesiedelt, wobei der Clyde eine optimale Gelegenheit zum Fischfang bot. Um 80 n. Chr. besiedelten die Römer den Ort, der wohl damals Cathures hieß. Später errichteten die Römer um 140 n. Chr. den Antoninuswall, dessen Reste heute noch in Glasgow zu sehen sind, um das römische Britannien vom keltischen und piktischen Caledonia zu trennen.
Glasgow selbst wurde vom christlichen Missionar Sankt Mungo (auch bekannt als Sankt Kentigern) im 6. Jahrhundert gegründet. An der Stelle der heutigen Kathedrale errichtete er eine Kirche, und in den folgenden Jahren wurde Glasgow zu einem religiösen Zentrum. Die Sankt Mungo zugesagten Wunder finden sich noch heute auf dem Stadtwappen.
Die Geschichte Glasgows ist vage, bis es im 12. Jahrhundert zur Stadt angewachsen war, und mit dem Bau der St. Mungo's Cathedral begonnen wurde.
1451 wurde die Universität zu Glasgow durch päpstliches Dekret gegründet. Anfang des 16. Jahrhunderts war Glasgow zu einem bedeutenden religiösen und akademischen Zentrum gewachsen.
[Bearbeiten] Handel und industrielle Revolution
Ebenfalls zu dieser Zeit waren die Händler und Facharbeiter der Stadt an erheblichen Einfluss gelangt, was die Macht der Kirche zu schmälern begann. Durch den Schiffsverkehr über den Clyde wurde Glasgow zu einem idealen Handelszentrum, sowie zum Tor nach Edinburgh und dem Rest Schottlands.
Glasgows Position im Zentrum des Britischen Empires machte es darüber hinaus zum zentralen Umschlagplatz im Handel mit den britischen Kolonien. Der leichte Zugang zum Atlantischen Ozean erleichterte den Import von amerikanischem Tabak, der dann in ganz Europa verkauft wurde. Handel mit der Karibik erlaubte den Import von Zucker. Seit den 1770er Jahren ermöglichte die Entschlammung des Clyde, mit größeren Schiffe weiter den Fluss hinauf zu fahren, was den Grundstein für den Industrie- und Werftbau während des 19. Jahrhundert legte.
Durch den Überfluss an Kohle und Eisen aus Lanarkshire wurde Glasgow eine Industriestadt, die den Beinamen 'die zweite Stadt des Empire' erhielt. Auch die Baumwollindustrie und Textilherstellung florierte. Arbeiter aus Schottland, Irland und dem Rest Europas zog es in die aufstrebende Stadt.
Durch die industrielle Revolution wurde Glasgow zu einer der reichsten Städte der damaligen Welt. Wohlhabende Händler finanzierten spektakuläre Bauten, Parks, Museen und Bibliotheken. Fabriken wurden als wahre Prachtbauten errichtet, so zum Beispiel eine Teppichfabrik (Templeton's carpet factory), die als Kopie des Dogenpalastes von Venedig gestaltet wurde.
Glasgow wurde auch kulturell zu einem wichtigen Zentrum. Zahlreiche Galerien siedelten sich an, und außergewöhnliche Gebäude entstanden, wie die Glasgow School of Art, erbaut von Charles Rennie Mackintosh oder die (heute rekonstruierten) Willow Tearooms des gleichen Architekten.
[Bearbeiten] Abstieg und Nachkriegszeit
Nach dem Ersten Weltkrieg litt Glasgow am weltweiten Niedergang der Wirtschaft. Obwohl weiter Schiffe und Züge in Glasgow produziert wurden, machten preiswerte Arbeiter der Stadt Konkurrenz. Die Lage der Arbeiterklasse in der Stadt verschärfte sich, die Politisierung und das Bewusstsein über die Situation nahm zu. So entsandten die Glasgower Arbeiter eine ganze Brigade zur Unterstützung der (sozialistischen) spanischen Republik im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939. In den 1960er Jahren ging es mit der Wirtschaft der Stadt steil bergab.
In den 1970er und 1980er Jahren wurden Stahlwerke, Kohleminen, Motorwerke und andere Schwerindustrie in und um Glasgow geschlossen, was zu Massenarbeitslosigkeit und Zerfall der Stadt führte. Trotz Schiffsneubauten wie der Queen Elizabeth 2 wurde eine Werft nach der anderen geschlossen. Zur Jahrtausendwende existierten nur noch zwei Werften, die beide ausschließlich aus Rüstungsaufträgen der Regierung finanziert wurden. Seit Mitte der 1980er Jahre gibt es jedoch einen beschwerlichen Aufschwung – ein Finanzdistrikt wurde geschaffen, und die ehemaligen Fabrikgelände in den Vororten werden von der Unterhaltungsindustrie bezogen. Kritiker dieser Entwicklung bezweifelten allerdings, ob eine solche rein dienstleistungsbasierte Wirtschaftsstruktur langfristig Bestand haben kann.
[Bearbeiten] Das moderne Glasgow
Seit den 1990er Jahren hat sich Glasgow kontinuierlich von seinem Niedergang erholt. Die Stadt hat in den vergangenen 15 bis 20 Jahren große Summen zur Renovierung und Restaurierung einer Vielzahl von Gebäuden investiert. Durch diesen Aufwand ist die Lebensqualität in der Stadt spürbar gestiegen. 1990 wurde Glasgow überraschenderweise die 6. Europäische Kulturhauptstadt (nicht London oder Edinburgh) und erhielt 1999 den Architektur- und Designpreis. 2003 wurde Glasgow Europäische Sporthauptstadt. War die Stadt früher als schmutzige Arbeiterstadt berüchtigt, die vom Ruß der Fabriken buchstäblich schwarz geworden war, so ist sie heute für ihren kulturellen und künstlerischen Reichtum bekannt. Glasgow hat ein modernes Kultur- und Kongresszentrum mit zahlreichen unterschiedlichen Veranstaltungen. Darunter sind solche wie der Science-Fiction-World-Con „Intersection“ 1995 und „Interaction“ 2005 mit etwa 4000 Teilnehmern. Tourismus, Sportveranstaltungen und große Konferenzen prägen das Bild des modernen Glasgow.
Ein besonderes Augenmerk kann in Glasgow auf die Vielfalt der Museen gelegt werden, die fast alle ohne Eintrittsgebühren zu besichtigen sind. Eine Ausnahme bildet zum Beispiel das Science Center, das einen Eintrittspreis von 6.95 Pfund pro Erwachsenen erhebt. Wichtige Museen in Glasgow sind das Kelvingrove Art Gallery and Museum, das Hunterian Museum and Art Gallery (an der University of Glasgow), das CCA - Centre for Contemporary Art und die Burrell Collection. Letztere geht auf die Privatsammlung von William Burrell zurück, der sie der Stadt vermachte.
Weiterhin bietet sich Glasgow mit hervorragenden Malls als Einkaufsstadt an und genießt inzwischen den Ruf, nach London die zweitbeste Einkaufsstadt Großbritanniens zu sein.
Die gestiegene Lebensqualität ist auch an den gleichfalls stark verteuerten Miet- und Kaufpreisen für Wohnraum erkennbar. Glasgow ist damit nicht nur eine der attraktivsten, sondern auch eine der teuersten Städte Großbritanniens geworden.
Mit dem Glasgow Science Center, dem Glasgow Tower und dem Clyde Auditorium von Norman Foster hat die Stadt auch einiges an moderner Architektur zu bieten.
Ganz im Gegensatz dazu stehen Viertel wie Calton mit einer statistischen Lebenserwartung von 53 Jahren[2], bedingt durch den Niedergang der schottischen Stahlindustrie und der daraus resultierenden Massenarbeitslosigkeit, Armut, sozialem Elend und weit verbreitetem Alkoholismus.
Diese hohe Sterblichkeit durch Alkohol- und Zigarettenmißbrauch, Übergewicht, falscher Ernährung und Folgekrankheiten wie Herzinfarkt, Krebs und Diabetes wird in der Medizin als sogenannter "Glasgow-Effekt" bezeichnet.
Jugendkriminalität ist weit verbreitet, bereits 2006 wurde Glasgow als die "Stadt der Morde und der Messer" bezeichnet, besonders betroffen sind Stadtviertel in der Peripherie wie Drumchapel, Castlemilk und Easterhouse.[3]
Im Stadtrat (City Council) von Glasgow führte die Kommunalwahl 2007 zu folgender Sitzverteilung:
Für Wahlen zum britischen Unterhaus ist Glasgow in sieben Wahlkreise eingeteilt. Bei der Unterhauswahl 2005 konnte die Labour Party alle sieben Wahlkreise gewinnen, verlor bei einer Nachwahl im Juli 2008 allerdings den Wahlkreis Glasgow East an die Scottish National Party (SNP). Bei der Wahl zum Schottischen Regionalparlament 2007 gewannen die Labour Party in Glasgow 9 Sitze, die SNP 5 Sitze sowie Konservative, Liberaldemokraten und Grüne je einen Sitz.
Glasgow ist über die beiden Flughäfen Glasgow International und Glasgow Prestwick an den Luftverkehr angebunden. Die beiden Hauptbahnhöfe der Stadt sind Glasgow Central und Queen Street. Glasgow besitzt die drittälteste U-Bahn auf der Welt. Am 14. Dezember 1896 eröffnete die Glasgow Underground Railway (jetzt Glasgow Subway) ihren Betrieb.
Das sportliche Geschehen in Glasgow wird von den beiden Fußballclubs Celtic und Rangers und ihrer traditionsreichen, Old Firm genannten Rivalität dominiert. Die wichtigsten Fussballstadien der Stadt sind
[Bearbeiten] Städtepartnerschaften
[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt
Hauptartikel: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Glasgow
- Billy Connolly, Comedian, Folk-Musiker
- Brian Connolly, Rockmusiker, Leadsänger der Glamrock - Band The Sweet
- Joe Henderson, britischer Klavierspieler
- Walter Aitkenhead (1887-1966), Fußballspieler, Nationalspieler für Schottland
- Gerard Butler, Schauspieler (Beowulf & Grendel, 300 (Film), Das Phantom der Oper (2004)), * 1969,
- David McCallum, Schauspieler,19. September 1933,
- Gordon A. Craig, Historiker und Schriftsteller
- Bernard Battles Sr. (1875-1905), Fußballspieler
- Maggie Bell, Rocksängerin
- Billy Boyd, Schauspieler (Herr der Ringe)
- Maxwell Caulfield, Schauspieler
- Robert Carlyle, Schauspieler (Trainspotting, Ganz oder gar nicht)
- James Dillon, Komponist
- Dagobert Duck (lt. Don Rosa)
- Craig Ferguson, Komiker, Talkshow Moderator
- Alex Fergusson, Gitarrist und Musikproduzent
- Arthur Findlay, Makler und Börsenfachmann, einflussreicher Spiritualist
- Alastair Forsyth, Profigolfer
- Laura Fraser, Schauspielerin
- Sir James George Frazer, Ethnologe
- Gordon Brown, britischer Premierminister
- Bert Jansch, Folk-Sänger und -Gitarrist
- Jim Kerr, Leadsänger und Songwriter der Simple Minds
- Carol Kidd, Jazzsängerin
- David Knopfler, Musiker, früher Gitarrist bei Dire Straits, Bruder von Mark Knopfler
- Mark Knopfler, Gitarrist, Frontmann der nicht mehr aktiven Rockband Dire Straits
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- Dickson Mabon (1925-2008), Politiker
- Sir John Macdonald, erster Premierminister von Kanada
- Kelly Macdonald, schottische Schauspielerin
- Kevin Macdonald, britischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent
- Charles Rennie Mackintosh, Architekt, Graphiker und Maler
- Alistair MacLean, schottischer Thriller-Autor
- Alan McManus, Snookerspieler
- Michael MacNeil, Keyboarder
- Graeme Dott, Snookerspieler
- Die stilbildende Postrock-Band Mogwai
- David O'Hara, Schauspieler
- Justin Currie und Ian Harvie, Gründer der Rockband Del Amitri
- Texas
- Mary Ure, Schauspielerin
- Midge Ure, OBE, Sänger und Gitarrist der Band Ultravox
- Angus Young, Leadgitarrist der Band AC/DC
- Malcolm Young, Gitarrist der Band AC/DC
- Andy White, Schlagzeuger
- James McAvoy, Schauspieler
- Charles Dempsey, neuseeländischer Fußballfunktionär
- Die Mitglieder der Band The Fratellis
- Die Gründungsmitglieder der Battlefield Band
- Travis, Schottische Rockband
- Tony Curran, Schauspieler (Underworld Evolution, Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen)
- Euan Murray, schottischer Rugbyspieler
- Biffy Clyro schottische alternative Rockband
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- Das Kirchengebäude der Glasgower Kathedrale ist im Besitz der Krone und wird von "Historic Scotland" instandgehalten. Die Gemeinde der Church of Scotland hält hier Gottesdienst ab und steht in der reformierten Tradition der Universalkirche, die mit Christus und den Aposteln begann. Diese Kirche wird presbyterianisch geführt.
- ↑ a b 2007 Population Estimates (PDF). Abgerufen am 16. Januar 2008.
- ↑ http://www.welt.de/vermischtes/article4494015/In-Glasgow-kommt-der-Tod-schon-mit-53.html
- ↑ http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/3168dd4f-e376-4e0c-8033-70e056e31e47.aspx
- ↑ No committee to develop ties with Lahore’s twins. Daily Times of Pakistan, 2. März 2007, Abgerufen am 8. Februar 2008 (englisch).
Smout, Thomas Christopher: A history of the Scottish people, London, Fontana 1990
Kulturstadt Europas:
1985: Athen |
1986: Florenz |
1987: Amsterdam |
1988: West-Berlin |
1989: Paris |
1990: Glasgow |
1991: Dublin |
1992: Madrid |
1993: Antwerpen |
1994: Lissabon |
1995: Luxemburg |
1996: Kopenhagen |
1997: Thessaloniki |
1998: Stockholm
Kulturhauptstadt Europas:
1999: Weimar |
2000: Avignon, Bergen, Bologna, Brüssel, Helsinki, Krakau, Prag, Reykjavík, Santiago de Compostela |
2001: Porto, Rotterdam |
2002: Salamanca, Brügge |
2003: Graz
Europäische Kulturhauptstadt:
2004: Lille, Genua |
2005: Cork |
2006: Patras |
2007: Luxemburg, Sibiu |
2008: Liverpool, Stavanger |
2009: Linz, Vilnius |
2010: Essen, Pécs, Istanbul |
2011: Turku, Tallinn |
2012: Guimarães, Maribor |
2013: Marseille, Košice |
2014: Umeå, Riga
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