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Gräfenroda




Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Gräfenroda
Gräfenroda
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Gräfenroda hervorgehoben
50.748888888910.8122222222400
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Ilm-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Oberes Geratal
Höhe: 400 m ü. NN
Fläche: 23,32 km²
Einwohner:

3.456 (31. Dez. 2008)[1]

Bevölkerungsdichte: 148 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99330
Vorwahl: 036205
Kfz-Kennzeichen: IK
Gemeindeschlüssel: 16 0 70 024
Adresse der Gemeindeverwaltung: An der Glashütte 3
99330 Gräfenroda
Webpräsenz:
Bürgermeister: Frank Fiebig (Die Linke)
Lage der Gemeinde Gräfenroda im Ilm-Kreis
Datei:Gräfenroda in IK.svg
Kirche
Haus Grevenrot
Gartenzwergmuseum
Bahnhof

Gräfenroda ist eine Gemeinde im Ilm-Kreis (Thüringen).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Gräfenroda liegt in etwa 400 Metern Höhe im Tal der Wilden Gera. Gräfenroda ist der größte Ort ohne Stadtrechte im Ilm-Kreis und nach Einwohnern der viertgrößte Ort des Ilm-Kreises. Der Ort ist mit 5 km Länge auch das längste Dorf im Kreis. Nördlich von Gräfenroda erhebt sich der 490 Meter hohe Läusebühl, südlich liegt der 508 Meter hohe Gräfenrodaer Berg. Südwestlich des Ortes beginnt der Thüringer Wald. Westlich von Gräfenroda befindet sich die Lütschetalsperre. Die Lütsche mündet in Gräfenroda in die Wilde Gera. Talaufwärts befindet sich in 3 km Entfernung die Talbrücke Wilde Gera, die die imposanteste Brücke der A 71 darstellt.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Liebenstein - Geschwenda - Geraberg - Gehlberg - Oberhof - Frankenhain

[Bearbeiten] Geschichte

Gräfenroda wurde erstmals 1290 urkundlich erwähnt. Der Ortsname kennzeichnet den Ort als Rodungssiedlung. Der Besitz am Ort lag ursprünglich bei den Grafen von Käfernburg bzw. Schwarzburg, von 1446 bis 1819 war der Besitz in eine schwarzburgische und eine witzlebische, später gothaische Hälfte geteilt. Traditionelle Erwerbsmöglichkeiten der Einwohner lagen in Forstwirtschaft und Fuhrwesen, außerdem im bergmännischen Abbau von Kupfer, Silber und Blei sowie ab dem 16. Jahrhundert in der Glasherstellung. Im 17. Jahrhundert entstanden die Ortsteile Anspiel und Dörrberg als Ausbausiedlungen in Verbindung mit der Errichtung von Schmelzhütten und Hammerwerken. Die vorindustriellen Betriebe boten jedoch nur geringe Arbeitsplätze, so dass in der Mitte des 19. Jahrhunderts viele Einwohner wegen mangelnder Erwerbsmöglichkeit nach Amerika auswanderten. Erst nach 1850 siedelten sich im Zuge der Industrialisierung größere Betriebe im Ort an: 1855 eine Holzwarenfabrik, 1860 eine Terrakottafabrik, 1869 eine Glashütte und später weitere Porzellanfabriken. 1884 erfolgte der Anschluss an die Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt. Ende des 19. Jahrhunderts lag in Gräfenroda die Geburtsstätte der Gartenzwerge, die heute in einem Museum zu besichtigen ist. Bis 1920 gehörte Gräfenroda zum Amt Ohrdruf im Herzogtum Sachsen-Gotha.

In den Jahren des Zweiten Weltkrieges mussten 104 „Ostarbeiter“ bei der Firma Hugo Funk Söhne und in der Glasfabrik Wilhelmshütte Zwangsarbeit leisten. Auf dem Kirchhof erinnern Gräber und eine Gedenktafel an zwei KZ-Häftlinge, die während eines Todesmarsches bei Gräfenroda von SS-Mitgliedern erschossen wurden.[2]Während des Nationalsozialismus wirkte und lebte der für seine antisemitische Propaganda berüchtigte Artur Dinter in Gräfenroda. 1945 floh er nach Zell am Harmersbach, um einer Bestrafung zu entgehen.

[Bearbeiten] Politik

Gräfenroda ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Oberes Geratal.

[Bearbeiten] Gemeinderat

Gemeinderatswahl 2004:

  • CDU: 52,1 % (+20,8), 9 Sitze (+4)
  • SPD: 35,5 % (+11,4), 5 Sitze (+1)
  • PDS: 12,4 % (+1,8), 2 Sitze (+-0)

[Bearbeiten] Wappen

Blasonierung: „In Rot, geteilt durch einen silbernen Wellenbalken; oben eine goldene neunzackige Grafenkrone, unten ein silberner Stubben.“

Der ehemalige Rodungsort wurde erstmals 1290 urkundlich erwähnt und gehörte zum Besitz der Grafen von Schwarzburg-Käfernburg. Krone und Stubben symbolisieren die gräfliche Rodung, der der Ort seinen Namen verdankt. Das Wellenband steht für die Wilde Gera, die den Ort durchfließt und 23 Mühlräder trieb. [3]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet und am 10. Dezember 1993 genehmigt.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Sehenswert sind neben der St.-Laurentius-Kirche von 1731/33 das Gartenzwerg-Museum, das Heimatmuseum im Haus Grevenrot und das Raubschloss oberhalb des Ortes.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Verkehr

Gräfenroda ist eine wirtschaftlich nicht stark ausgeprägte Gemeinde. Der größte Arbeitgeber im Ort ist die Schulz Fördersysteme GmbH mit 76 Mitarbeitern. In den Jahren vor dem demokratischen Umbruch gab es verschiedene Sägewerke sowie eine Tonwarenfabrik, die auch die Heimat der Gartenzwerge war. Nach 1990 brach ein Großteil der Industrie des Ortes zusammen. Heute pendeln die meisten Gräfenrodaer zur Arbeit nach Arnstadt oder Ilmenau.

Gräfenroda liegt an der B88, die Ilmenau und Gotha verbindet. Nach dem Ort ist auch eine Autobahnabfahrt der A 71 benannt, die ca. 4 km südlich liegt. Von Gräfenroda führen des weiteren Straßen nach Gehlberg/Oberhof und Plaue. Gräfenroda liegt auch an zwei Eisenbahnstrecken: an der Bahnstrecke Erfurt–Schweinfurt besitzt der Ort zwei Bahnhöfe (Gräfenroda und Dörrberg) auf der der Mainfranken-Thüringen-Express (RE-Halt in Gräfenroda) verkehrt und die Ohratalbahn Gräfenroda–Gotha beginnt am Bahnhof Gräfenroda, ein weiterer Halt ist hier Gräfenroda Ort.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Musiker rund um die Kellner-Familie

[Bearbeiten] Weitere Persönlichkeiten

  • Der Gartenzwerg. Er wurde 1872 in Gräfenroda geboren.
  • Hermann Brill, Politiker (SPD), erster Regierungspräsident Thüringens nach dem zweiten Weltkrieg, geboren in Gräfenroda
  • Artur Dinter, nationalsozialistischer und antisemitischer Schriftsteller, Politiker (NSDAP), lebte eine Zeit lang in Gräfenroda
  • Carl Wernicke, deutscher Neurologe und Psychiater, starb in Gräfenroda
  • Katrin Apel, Biathletin aus Gräfenroda
  • Daniel Graf, Biathlet aus Gräfenroda

[Bearbeiten] Literatur

  • Rotraut Greßler: Gräfenroda und umliegende Orte. Ein Lesebuch zur Geschichte eines Thüringer Fleckens, mit einer umfangreichen Bibliografie und ausgewählten Texten. Buch- und Kunstdruckerei Keßler, Weimar und Waltershausen 2008, ISBN 978-3-00-026338-5, S. 168.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Thüringer Landesamt für Statistik - Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 142, ISBN 3-88864-343-0
  3. Neues Thüringer Wappenbuch Band 2 Seite 12; Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. 1998 ISBN 3-9804487-2-X

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Gräfenroda – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Wissen im Web, 2010.
Linkempfehlungen:
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