Liste sowjetischer Kriegsgefangenenlager des Zweiten Weltkriegs
Diese Liste enthält die Lager für deutsche Kriegsgefangene auf dem Hoheitsgebiet der Sowjetunion während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Standorte der Lagerverwaltungen mit Lagernummern sind in tabellarischer Form geordnet und mit Links zu heutigen Städten versehen.
Die über 3 Millionen deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion wurden in Sammellager gebracht und von dort aus zu den einzelnen Kriegsgefangenenlagern transportiert. Ein Kriegsgefangenenlager hatte einen Hauptstandort mit dem Sitz der Lagerverwaltung (russisch: управление лагеря) und administrativ angeschlossene Nebenlager (bis zu 25 Nebenlager pro Hauptstandort).
Aus den Angaben der entlassenen und nach (West-)Deutschland zurückgekehrten ehemaligen Kriegsgefangenen wurden 216 Lagerverwaltungen mit ihren jeweiligen Verwaltungsnummern und 2454 Einzellager ermittelt. Darüber hinaus wurden 166 Arbeitsbataillone der Roten Armee sowie 159 Hospitäler und Erholungsstätten für Kriegsgefangene mit ihren Verwaltungsnummern erfasst. Außerdem sind zunächst weiter landeinwärts errichtete Lager wegen des Wiederaufbaus nach der Befreiung vom Feind nach Westen verlegt worden - so. z.B. das Lager 126, das 1943 in Schadrinsk gegründet wurde.
Insgesamt wurden 2125 Standorte ermittelt, an denen sich deutsche Kriegsgefangene aufgehalten haben. Daneben gab es eine bis heute unbekannte Zahl an Sonderlagern.
Im Lauf des Bestehens vieler Standorte führten administrative Verschiebungen in der Verwaltungszuständigkeit oder Neuorganisationen zu Umnummerierungen der einzelnen Standorte.
Da die Informationen über das Verwaltungssystem der Lager aus über 100.000 Heimkehrerbefragungen ermittelt wurden und nicht auf die originalen Unterlagen der sowjetischen Administration zurückgehen, sind Fehler und Lücken nicht ausgeschlossen. Sie dürften jedoch angesichts der hohen Zahl von Einzelangaben auf ein Minimum reduziert sein.
[Bearbeiten] Regionale Gliederung der Kriegsgefangenenlager
Die Verwaltungsstandorte der Kriegsgefangenenlager sind in Regionaltabellen zusammengefasst. Die Einteilung folgt den Wirtschaftsräumen der Sowjetunion, die wesentliches Element der staatlichen Wirtschaftpläne waren. Danach war die Sowjetunion in 15 Wirtschaftsregionen eingeteilt.
Für 12 Regionen wurden Kriegsgefangenenlager ermittelt:
- Zentralregion - 50 Lagerverwaltungen mit 655 Einzellagern
- Nordwestregion - 15 Lagerverwaltungen mit 153 Einzellagern
- Nordregion - 5 Lagerverwaltungen mit 38 Einzellagern
- Westregion - 30 Lagerverwaltungen mit 315 Einzellagern
- Südregion - 34 Lagerverwaltungen mit 515 Einzellagern
- Wolga-Region - 16 Lagerverwaltungen mit 135 Einzellagern
- Nordkaukasus - 12 Lagerverwaltungen mit 129 Einzellagern
- Transkaukasien - 11 Lagerverwaltungen mit 116 Einzellagern
- Ural - 27 Lagerverwaltungen mit 281 Einzellagern
- Westsibirien - 6 Lagerverwaltungen mit 54 Einzellagern
- Südliches Zentralasien - 3 Lagerverwaltungen mit 13 Einzellagern
- Kasachstan - 7 Lagerverwaltungen mit 50 Einzellagern
Für drei Regionen wurden keine Kriegsgefangenenlager ermittelt:
Die Tabellen enthalten eine Sammlung der Städte und Ortschaften, in denen es Standorte von Lagerverwaltungen gab. Sie sind mit der jeweiligen Verwaltungsnummer aufgeführt. Umnummerierungen wurden nicht berücksichtigt. Die Standorte sind mit Links zu den heutigen Städten und Ortschaften versehen, Entfernungen (Luftlinie) sind von nächstgelegenen Städten aus mit Kompassrichtung angegeben.
In der Zentralregion bestanden 50 Lagerverwaltungen mit 655 Einzellagern. Sie lagen im europäischen Teil des heutigen Russland.
In der Nordwestregion bestanden 15 Lagerverwaltungen mit 153 Einzellagern. Sie lagen im europäischen Teil des heutigen Russland.
In der Nordregion bestanden fünf Lagerverwaltungen mit 38 Einzellagern. Sie lagen im europäischen Teil des heutigen Russland.
In der Westregion bestanden 30 Lagerverwaltungen mit 315 Einzellagern. Sie lagen in den heutigen Staaten Estland, Lettland, Litauen und Weissrussland sowie in Russlands Exklave Oblast Kaliningrad (Königsberg).
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Karte 6: Ukraine. Swerdlowsk liegt 60 km südsüdost von Luhansk. Berezan liegt 70 km östlich von Kiew. |
In der Südregion bestanden 34 Lagerverwaltungen mit 515 Einzellagern. Sie lagen in den heutigen Staaten Ukraine und Moldawien.
In der Wolgaregion bestanden 16 Lagerverwaltungen mit 135 Einzellagern. Sie lagen im europäischen Teil des heutigen Russland.
Im Nordkaukasus bestanden 12 Lagerverwaltungen mit 129 Einzellagern. Sie lagen im heutigen Russland.
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Karte 8: Georgien. Molotowo (verzeichnet als Imeni Monotova = namens Molotow) liegt 60 km westsüdwest von Tiflis. Tkibuli liegt 165 km westnordwest von Tiflis |
In Transkaukasien bestanden 11 Lagerverwaltungen mit 116 Einzellagern. Sie lagen in Armenien, Aserbaidschan und Georgien sowie dem von Georgien beanspruchten Abchasien.
In der Region Ural bestanden 27 Lagerverwaltungen mit 281 Einzellagern. Sie lagen im europäischen Teil des heutigen Russland.
Es bestanden sechs Lagerverwaltungen mit 54 Einzellagern. Sie lagen im asiatischen Teil des heutigen Russland.
[Bearbeiten] Südliches Zentralasien
In diesem Gebiet bestanden drei Lagerverwaltungen mit 13 Einzellagern. Sie lagen in den heutigen Staaten Kirgisistan und Usbekistan.
| Nr. | Städte mit Lagerverwaltungen
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| 288
| Begowat
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| 386
| Taschkent
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| 387
| Kyzyl Kija (Karte 10)
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Karte 11: Usbekistan. Das in Kasachstan gelegene Pachta Aral (ca. 80 km südwestlich von Taschkent, besteht aus mehreren kleinen Siedlungen, zwei am südwestlichen Stadtrand von Ilyich, andere nördlich bis 6 km entfernt. |
Es bestanden sieben Lagerverwaltungen mit 50 Einzellagern. Sie lagen im heutigen Staat Kasachstan.
[Bearbeiten] Quellen und Literatur
- Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962-1977 (die Bände II, III, IV, V/1-3, VI, VII, VIII und das 1. Beiheft beschäftigen sich mit den Kriegsgefangenen in der Sowjetunion). Die Angaben beziehen sich auf Heimkehreraussagen, die in erheblichem Umfang in den 40er - 60er Jahren der 20. Jh. systematisch gesammelt und ausgewertet wurden.
- Straflager in der Sowjetunion - Lage der Straflager in der Sowjetunion.
- DRK-Suchdienst München - Informationen zu Lagerverwaltungen und Einzellagern, Lagerspiegel, Nachforschungen über den Verbleib von Kriegsgefangenen.
- Volksbund Kriegsgräberfürsorge - Informationen zur Lage von Kriegsgefangenenfriedhöfen, Nachforschungen zu verstorbenen Kriegsgefangenen und Vermissten.
- WASt - Auskunftbehörde zu Militärakten, Kriegsgefangenen und Vermissten.
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