Tischtennisweltmeisterschaft 1999
Die 45. Tischtennis-Weltmeisterschaft für Einzelwettkämpfe fand vom 2. bis zum 8. August 1999 in Eindhoven (Niederlande) im Indoor Sportcentrum statt.
Insgesamt 652 Aktive traten an. Etwa 14.000 Zuschauer sahen in allen fünf Wettbewerben Endspiele, an denen ausschliesslich Chinesen teilnahmen. Alle fünf Gold- und Silbermedaillen sowie vier Bronzemedaillen wurden von China gewonnen. Von den Europäern erreichten lediglich Schlager und Waldner im Einzel sowie Primorac/Samsonow im Doppel das Halbfinale.
Es wurden nur die Einzelwettbewerbe durchgeführt. Die zugehörigen Mannschaftskämpfe wurden erst im Jahr 2000 in Kuala Lumpur ausgetragen. Dies war politisch bedingt: Nachdem der Deutsche Tischtennis-Bund DTTB 1993 auf die Option zur Austragung verzichtet hatte[1] war ursprünglich die TT-WM Weltmeisterschaft in Belgrad (Jugoslawien) geplant. Wegen des Kosovokrieges wurde diese Veranstaltung aber abgesagt. In der Kürze der Zeit organisierte man um und ließ die Einzel-Weltmeisterschaft 1999 in Eindhoven und die Mannschafts-Weltmeisterschaft 2000 in Kuala Lumpur stattfinden. Daher erklärt sich auch die ungewöhnliche Austragungszeit im August.
[2] Die Einzeltitel werden in einem Hauptturnier bestehend aus 128 Teilnehmern im KO-System ausgespielt. Ein Spiel besteht aus drei Gewinnsätzen. Entsprechend der Platzierung in der ITTF-Weltrangliste sind 32 Spieler automatisch für das Hauptturnier qualifiziert. Weitere 48 Herren bzw. 64 bis 70 Damen werden dem Hauptturnier zugelost. Die restlichen Teilnehmer müssen in vorgeschalteten Qualifikationsgruppen um die Teilnahme im Hauptturnier kämpfen. Jede Qualifikationsgruppe besteht aus maximal vier Aktiven, die im Kampf Jeder gegen Jeden in jeweils zwei Gewinnsätzen Platz 1 ausspielen.
Im Doppel besteht das Hauptturnier aus 64, im Mixed aus 128 Paaren. Bis einschliesslich des Viertelfinales werden zwei Gewinnsätze ausgetragen, danach drei Gewinnsätze.
Jeder Verband kann je fünf Damen und Herren melden. Zusätzlich sind die ersten zehn der Weltrangliste startberechtigt. Diese Regelung ermöglichte es dem DTTB, sieben Damen zu melden, da Jing Tian-Zörner Platz 4 und Qianhong Gotsch Platz 5 in der Weltrangliste einnahmen.[3]
[Bearbeiten] Abschneiden der Deutschen
Am weitesten kam Timo Boll. Er besiegte Segun Moses Toriola (Nigeria) und Patrick Chila (Frankreich). In der dritten Runde - hier spielten 32 Aktive - schied er durch die Niederlage gegen den Koreaner Kim Taek-soo aus.
Für die restlichen deutschen Herren war in Runde 2 Endstation.
Torben Wosik musste durch die Qualifikationsrunden. Hier gewann er gegen Raphael Keller (Schweiz) und Mirza Hadzijahic (Bosnien und Herzegowina). In der Hauptrunde siegte er zunächst gegen den Japaner Toshio Tasaki und verlor dann gegen Matthew Syed (England).
Jörg Roßkopf konnte sich wegen einer Verletzung im Vorfeld nur unzureichend auf die WM vorbereiten. Dem Sieg gegen Bohumil Vozicky (CZE) folgte die Niederlage gegen Dmitri Masunow (RUS).
Auch Steffen Fetzners WM-Vorbereitung litt unter einer Verletzung im Vorfeld. Er gewann gegen Chen Sung (Niederlande) und verlor dann gegen Damien Éloi (Frankreich).
Am besten schnitt Jing Tian-Zörner ab, die sich gegen Aida Steshenko (Turkmenistan), Elena Kovtun (Ukraine), Ai Sakata (Japan) und Csilla Bátorfi (Ungarn) durchsetzte und erst im Viertelfinale von Ryu Ji Hae (Korea) bezwungen wurde.
Jie Schöpp besiegte Helena Halas (Slowenien) und Eldijana Aganovic (Kroatien) und verlor in Runde 3 gegen Cheng Hongxia (China).
Olga Nemes schied bereits in Runde 2 aus nach einem Sieg über Paulina Joanna Narkiewicz (Polen) und der Niederlage gegen Sun Jin (Hongkong).
Genauso weit kam Elke Schall, die gegen Chan San (Malta) gewann und gegen Anne Boileau (Frankreich) verlor.
Nicole Struse besiegte Kubrat Owolabi Aduke (England) und unterlag danach Mihaela Steff (Rumänien).
Die Debütantin Katrin Meyerhöfer musste zunächst in der Qualifikationsrunde antreten, wo sie durch Siege über Catherine Ann Davies (Wales) und Michelle DO (USA) weiterkam. In der Hauptrunde war dann gegen Kim Moo Kyo (Korea) Endstation.
Am erfolgreichsten waren Roßkopf/Fetzner. Sie erreichten das Achtelfinale. Sie begannen in Runde 2 und besiegten zunächst Ivan Juzbasic/Roko Tosic (Kroatien) und Nicolas Chatelain/Michel Martinez (Frankreich), verloren dann aber gegen Chiang Peng-Lung/Chang Yuan Su (Taiwan).
Runde 3 erreichten Peter Franz/Torben Wosik nach Siegen über Michał Dziubański/ Marcin Kusinski (Polen) und Alisher Kamilov/Russian Susherov (Usbekistan). Hier unterlagen sie den Japanern Koji Matsushita/Hiroshi Shibutani.
Genauso weit brachten es Timo Boll/Alexei Smirnov (RUS) nach Siegen über Massimiliano Mondello/Yang Min (Italien) und El-Sayed Lashin/Ashraf Sobhy (Ägypten), als sie gegen Zoran Primorac/Wladimir Samsonow (Weißrussland) ausschieden.
Hier kamen Qianhong Gotsch/Jie Schöpp bis ins Achtelfinale. Beginnend in Runde 2 schalteten sie Tawny Ai Banh Thua/Lily Yip Hugh (USA) und Sarit Hose/Marina Kravchenko (Israel) aus. Gegen Geng Lijuan/Suk Eun Mi (China/Korea) war dann Endstation.
Schall/Struse kamen gegen Nicola Bentley/Catherine Ann Davies (Schottland/Wales) weiter, um dann gegen die Luxemburgerinnen Ni Xi Lian/Peggy Regenwetter zu verlieren.
Olga Nemes/Georgeta Olaru (Rumänien) scheiterten sofort an Kim Hyon Hui/Kim Yang Mi (Nordkorea).
Katrin Meyerhöfer/Jing Tian-Zörner mussten als einzige in Runde 1 beginnen. Hier setzten sie sich gegen Dusanka Matovic/Rumenka Krasteva (Mazedonien) durch, unterlagen danach jedoch gegen Park Hae Jung/Kim Moo Kyo (Korea).
Es traten sieben gemischte Doppel mit deutscher Beteiligung an.
Boll/Struse waren mit dem Erreichen des Achtelfinales am erfolgreichsten. Sie schalteten Thiago Farias Monte Monteiro/Ligia Silva Santos (Brasilien), Yongxiang David Zhuang/Gao Jun Chang (USA) und Zoran Primorac/Tamara Boroš (Kroatien). Danach waren Tan Ruiwu/Zhang Yining (China) zu stark.
Wosik/Schall siegten gegen Adam Michael Robertson/Bethan Deborah Daunton (Wales), Evgueni Chtchetinine (Weißrussland) und verloren gegen Yan Sen/Zhang Hui (China).
Matthew Syed (England)/Qianhong Gotsch besiegten Eric Owens/Jun Amy Feng (USA) und Daniel Wintersdorff/Peggy Regenwetter (Luxemburg) und unterlagen danach Ma Lin/Zhang Yingying (China).
Ebenso weit kamen Ntaniel Tsiokas (Griechenland)/Jie Schöpp nach Siegen über Michel Martinez/Agathe Costes (Frankreich) und Alexei Smirnov/Galina Melnik (Russland) sowie der Niederlage gegen Feng Zhe/Sun Jin (China).
Istvan Moldovan (Norwegen)/Nemes schalteten Pasi Valasti/Marloes de Smet (Finnland/Niederlande) aus, dann waren aber Chu Leung/Ah Song (Hongkong) zu stark.
Liu Song (Argentinien)/Jing Tian-Zörner kamen durch einen Sieg über Agon Saiti/Rumenka Krasteva (Mazedonien) eine Runde weiter, wurden dann aber von Zoran Primorac/Tamara Boroš gestoppt.
Mika Räsänen (Finnland)/Katrin Meyerhöfer setzten sich in der 1. Runde (= Qualifikationsrunde) gegen Ganeshan Veerasamy Descann/Devina Dookhee (Mauritius) durch. Danach schieden sie gegen Allan Bentsen/Pernilla Pettersson (Dänemark/Schweden) aus.
Die niederländische Regierung verweigerte den jugoslawischen Aktiven wegen des Krieges in Jugoslawien das Visum. Lediglich Slobodan Grujic konnte wegen des Schengener Abkommens einreisen, da er in Deutschland wohnte.
Der ITTF Kongress behandelte folgende Anträge der Mitglieder:
- Einführung des Timeout: In jedem Spiel darf eine Parte eine Auszeit von 1 Minute nehmen. Dabei darf ein Coach die Spieler beraten. Diese Regelung gilt ab 1. September 1999 für internationale Wettkämpfe.
- Zeitspiel: Zeitspiel setzt auch dann ein, wenn ein Satz nach 15 Minuten den Stand von 19:19 oder später erreicht hat. Allerdings wird dieser Satz "normal" zu Ende gespielt, der nächste Satz wird im Zeitspielmodus fortgesetzt.
- Tischtennisball: Der Antrag, den Ball auf 40 mm Durchmesser zu vergrößern, scheiterte knapp an der erforderlichen Zweidrittelmehrheit.
Der Deutsche Hans Gieseke wurde als Vizepräsident der Finanzen abgewählt. Sein Nachfolger wurde Pierre Alberini aus Frankreich.
- 100 Schiedsrichter waren im Einsatz, davon sechs deutsche. Das Damenendspiel wurde von den deutschen Schiedsrichtern Richard Kettemer (Elfershausen) und Klemens Rang (Hanau) geleitet.
- Ma Lin erhielt den Fairnesspreis. Er hatte im Halbfinale gegen Waldner eine Schiedsrichterentscheidung zu seinem Ungunsten korrigiert und einen Kantenball zugegeben.
- Die Neuseeländerin Li Chunli versäumte ihr Spiel gegen Yang Ying (China), weil sie irrtümlich glaubte, das Match fände erst am nächsten Tag statt.
Folgende Deutsche nahmen teil:
- Herren: Timo Boll, Steffen Fetzner, Peter Franz, Jörg Roßkopf, Torben Wosik
- Damen: Qianhong Gotsch, Katrin Meyerhöfer, Olga Nemes, Elke Schall, Jie Schöpp, Nicole Struse, Jing Tian-Zörner
- WM Nachlese (DTS-September) Zeitschrift DTS, 1999/9 S.4-20
- ↑ Zeitschrift DTS, 1993/13 S.36
- ↑ Zeitschrift DTS, 1999/8 S.8
- ↑ Zeitschrift DTS, 1999/8 S.9
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